Der Traum vieler arbeitender Menschen: Die Rente

Ich habe tatsächlich schon erreicht, wovon viele Menschen träumen: die Rente! Mit 38 Jahren wurde mir das erste Mal befristet auf zwei Jahre der Status der vollen Erwerbsminderung zuerkannt. Eine Verlängerung von 3 Jahren war der nächste Schritt. In den letzten Tagen kam nun der neue Bescheid von der Rentenversicherung. Jetzt habe ich es amtlich: Ich bin unbefristet berentet.

Puuh, einerseits eine Erleichterung, weil endlich nach dem dritten Antrag anerkannt wurde, dass es keine Aussicht auf Besserung meiner Gesundheit besteht. Damit kann ich mit einer gewissen finanziellen Absicherung bis 2039 fest kalkulieren. Da ich nicht sehr lange berufstätig war, ist meine Rente allerdings nicht besonders hoch. Wie gut, dass ich am Beginn meines Arbeitslebens zusätzlich eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hatte. Meine medizinische Versorgung „darf“ ich in den meisten Fällen nämlich selbst bezahlen. Deshalb bin ich bei einer intensiven Entgiftungsphase auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Andererseits heißt es eben unmissverständlich auch: Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass ich jemals wieder normal leistungsfähig sein werde, eben weil ich zu krank bin. Komisch dass mich diese Aussage beschäftigt, weil ich ja nun schon seit fünf Jahren Renterin bin und meinte, ich hätte mich an diesen Umstand bereits gewöhnt. Dennoch ist es immer wieder mal ein Thema, mit meinen gerade mal 42 Jahren kein Leistungsträger für die Gesellschaft mehr zu sein. Stattdessen bin ich auf die Solidargemeinschaft angewiesen, um meine laufenden Kosten bezahlen zu können. Nicht immer ist es für mich einfach, diese Hilfe ohne schlechtes Gewissen und Schuldgefühle oder Vorwürfe anzunehmen.

Aber wenn ich in die Stille gehe und mir sage „Ich bin richtig so wie ich bin“ und ich dies auch in mir spüren kann, dann kann ich eine große Ruhe wahrnehmen. Ja, so ist es. Ich darf mich – amtlich bestätigt – ausruhen und pflegen. Entspannend ist für mich, dass ich zukünftig keine Angst mehr davor haben muss, mich mit meiner aus schulmedizinischer Sicht unheilbaren Erkrankung „Multiple Chemical Sensitivity“ dem Arbeitsmarkt stellen zu müssen. Wer weiß, vielleicht gelingt es mir, zum Einen so kraftvoll zu werden, dass ich regelmäßiges Arbeiten wieder in Betracht ziehen kann? Und zum Anderen mit viel Kreativität dann eine gut bezahlte Beschäftigung zu finden, in der meine chemische Sensitivität unbedeutend ist? Träumen ist ja sicherlich erlaubt…

Derweil übe ich mich im Annehmen meiner selbst – ohne schlechtes Gewissen, ohne Schuldgefühle und ohne Vorwürfe. Denn ich möchte meine verbleibende Zeit in meinem Leben genießen, so gut ich es vermag.

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