Ins Leben sterben…

„Eines Tages werden wir sterben.“

„Stimmt. Aber an allen anderen Tagen tun wir dies nicht.“

Ins Leben sterben…

…so heißt das Intensiv-Seminar, das ich in zwei Wochen besuchen werde. Schon seit ein paar Jahren besuche ich immer wieder Seminare im Institut Bewusster leben und lieben. Denn mit einer schweren chronischen Erkrankung tagtäglich zu leben, ist herausfordernd und schnell passiert es mir, dass sich mein Leben nur noch um die belastenden Symptome dreht. Und das kann ziemlich gruselig sein! Für mich, für meine Familie, für meine Freunde…

Umso mehr sind die beiden Themen „Lebensfreude und Lebendigkeit dennoch wirklich zu fühlen“ ein Dauerbrenner bei mir. Immer wieder stelle ich mir die Frage: „Was genau macht mich glücklich?“ Wie will ich jetzt leben, damit ich bei meinem Tod sagen kann: „Ja, dieses mein Leben war wirklich toll – trotz allem oder auch gerade weil ich so krank war!“ Die vielfältigen Einschränkungen, durch die mein Alltag bestimmt wird, begrenzen gefühlt meinen Ausdruck meiner Lebendigkeit sehr. Zum Tanzen fehlt mir beispielsweise meistens die Kraft und ein Besuch in einer Disko ist alleine wegen der Duftstoffexpositionen und Ausdünstungen der verwendeten Baustoffe undenkbar. Sehr sehr schade!!! Wie kann ich denn Lebendigkeit ausdrücken, wenn ich manchmal einfach keine Kraft habe? Eine Frage, die mich schon lange beschäftigt.

An MCS (Multiple Chemical Sensitivity) sterben Patienten in der Regel nicht direkt, was bei einer Überbelastung bei ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrom) allerdings schon vorgekommen ist. Der fortschreitender Verfall (progressive Degeneration) von lebenswichtigen Organen (v.a. Herz, Bauchspeicheldrüse oder Nieren) ist die häufigste Todesursache bei ME/CFS, das durchschnittliche Sterbealter liegt beträchtlich unter dem der Allgemeinbevölkerung. Bei ME/CFS gelten laut einer Studie von Prof. Leonard Janson als häufigste Todesursachen Herzversagen (20%), Suizid (20%), Krebserkrankungen (19%) oder allgemeine Komplikationen durch ME/CFS (z.B. lebensgefährliche Infektionen oder Medikamentenunverträglichkeiten) mit 11%. (S. 40 ff in „ME“ von Katharina Voss, MV-Verlag, 2015)

Bei Kenntnis dieser Auflistung ist es also kein Wunder, wenn ich mir schon heute Gedanken über ein bewusstes Leben mache. Denn ich möchte nicht auf meinem Sterbebett Reue darüber empfinden, dass ich nicht das gelebt habe, was mir wirklich wichtig war. Und jetzt habe ich auch noch Kraft – zwar weniger wie der Durchschnittsbürger, aber mehr als viele anderen an ME/CFS-Erkrankte. Und diese Kraft will ich sinnvoll nutzen.

Die Leitfrage des Seminars ist laut Beschreibung:

„Wie würdest du leben, wenn Du wirklich furchtlos wärst?“

Ich bin gespannt auf meine Antwort. Mich für meine ureigene Lebendigkeit und Lebensfreude zu öffnen, womöglich mein Leben mit allen Aspekten zu lieben und den Mut haben, meine Träume zu verwirklichen – das wäre ein großer Gewinn aus dem Seminar.

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