Im Winter in die Sonne fliegen – bisher unmöglich…

Dieses Jahr war mein Wunsch nach einem Winterurlaub in der Sonne so groß, dass ich nach neuen, praktikablen und wirklich hilfreichen Lösungen für meine spezielle Situation suchte. Drei Fragen musste ich im Vorfeld dafür für mich klären:

  1. Welche Unterkunft und welcher Mietwagen werden für mich verträglich sein?
  2. Wie gestalte ich meine Reisezeit für meinen Körper möglichst energiesparend?
  3. Wie sorge ich dafür, dass mein Körper keine chemischen Stoffe während des Fluges aufnehmen muss?

Es war ein lehrreicher Prozess, mich den einzelnen Fragen intensiv zu widmen und Antworten zu finden. Zwischendrin auch mal frustrierend, wenn die Antworten von Experten in eine Sackgasse führten.

 

  1. Welche Unterkunft und welcher Mietwagen werden für mich verträglich sein?

Mein Mann hat die vielen Angebote im Internet durchforstet als der Zeitraum für unsere Reise klar war. Durch unsere mehrfachen Wohnungssuchen in den letzten Jahren weiß er bereits sehr gut, welche Rahmenbedingungen beim Wohnen ich aus gesundheitlicher Perspektive benötige. Bitte lesen Sie dazu die Punkte „Das Gebäude“ und „Die Möbel“ aus einem meiner früheren Beiträge. Ich wiederhole mich ungern. Das fühlt sich nach unnötigem Energieaufwand an. Wichtig war mir (bzw. uns) auch, dass wir nicht in einer der Apartmentanlagen an den Touristenstränden wohnen würden. Denn das bedeutet viele Menschen und damit auch viele Duftstoffe sowie eine größere Lärmbelastung. So entschieden wir uns für ein kleines Dorf, das besonders für Surfer interessant ist. Was gleichbedeutend mit viel Wind ist. Vorteil: etwaige Duftstoffbelästigungen verflüchtigen sich schnell wieder und es strömt immer frische Luft vom Meer aus nach. Nachteil: der dauerhafte Wind kann schon ganz schön nerven. Von daher war ein ummauerter Innenhof der Ferienwohnung unbedingt notwendig.

Natürlich kann ich im Vorfeld über den direkten Kontakt mit der Vermieterin herausfinden, wann das letzte Mal renoviert wurde, mir Bilder von der Einrichtung schicken lassen und über Google die Lage des Hauses prüfen. Durch eine kinesiologische Fragetechnik ist es mir dann aufgrund dieser Basisinformationen möglich, vorab auszutesten, ob ich das Gebäude vertragen werde. Bisher hat es immer gestimmt. Ich war also einigermaßen beruhigt, dass alles gut gehen wird. Allerdings würde ich beim nächsten Mal das Thema Duftstoffe in der Bettwäsche wohl noch genauer klären und zur Sicherheit duftstofffreie Wasch- und Reinigungsmittel frühzeitig per Post an den Urlaubsort schicken. Aber grundsätzlich ist ein duftender Haushalt nicht durch ein einmaliges Nutzen von duftstofffreien Mitteln zu entduften. Gerade Kleidungsstücke zu entduften ist meiner Erfahrung nach ein mehrere Wochen dauerndes Programm. Und ob das zukünftige Ferienwohnungsvermieter auf sich nehmen werden? Manchmal habe ich auch Glück und das Beziehen mit meiner selbst mitgebrachten Bettwäsche reicht völlig aus.

 

  1. Wie gestalte ich meine Reisezeit für meinen Körper möglichst energiesparend?

Zur Vorbereitung auf den anstrengenden Reisetag verbrachte ich zwei Tage direkt davor so gut wie nur auf dem Sofa. Den Großteil meines Koffers packte ich bereits vorher, so dass nur noch Kleinigkeiten zu packen waren. In der Woche vor dem Abflug gab es keinerlei Termine außer Haus, keine Telefonate mit Freund*innen, alles was nicht wirklich dringend und wichtig war, verschob ich auf nach dem Urlaub. Natürlich habe ich mir die erste Woche nach dem Urlaub ebenso freigehalten. So habe ich keinerlei Stress zu befürchten und die erhoffte Erholung durch meinen Urlaub darf möglichst lange anhalten.

Mit dem Zug ging es nach Frankfurt zum Flughafen. Dort gibt es beim Fernbahnhof einen AIRail-Check-in-Schalter, so dass wir unser Gepäck bereits hier abgeben konnten. Da ich mit meinem Mann und einem gemeinsamen Freund in den Urlaub flog, entfiel jegliches Koffer-„Rollen“ oder -Tragen und selbst das Handgepäck übernahmen die beiden Männer. Außerdem auch die Gespräche mit dem Bodenpersonal beim Check-in-Schalter. Ich durfte mich einfach auf die nächste Sitzgelegenheit zurückziehen. Was für eine Erleichterung und was für ein Genuss! DANKE nochmal an Euch beide. Ich wartete also einfach auf den Rollstuhlservice. Was für eine wunderbare Einrichtung. Nutzen konnte ich diesen Service, weil ich auf Anfrage ein Formular von der Fluglinie bekam, das sozusagen einige Wochen vorher als Attest vom Arzt ausgefüllt und unterschrieben werden muss. Anhand der Angaben entscheidet dann ein Arzt bei der Fluggesellschaft, ob ich flugtauglich sei. Das war ich und so freute ich mich also auf den bestellten Rollstuhlservice. Die Wege im Frankfurter Flughafen sind extrem lang und ich hätte nicht einmal ein Viertel der gesamten Wegstrecke aus eigener Kraft laufen können. So weitläufig hatte ich mir das nicht vorgestellt. Bevor ich durch die Sicherheitskontrolle gefahren wurde, durfte ich mich mit meinen Begleitern in einem extra Warteraum (ruhig, ausreichend Sitz- und Liegemöglichkeiten, freier Kaffee, Tee, Wasser, Obst, Kekse sowie Zeitungen und Zeitschriften) ein wenig erholen. Wunderbar! An der Sicherheitskontrolle gab es keinerlei Wartezeit, denn wir drei waren die einzigen Personen zu der Uhrzeit. Direkt nach der Kontrolle wartete schon der Bus, mit dem wir alleine zu unserem Flugzeug gefahren wurden. Wir waren die ersten Passagiere, alle anderen Urlauber durften dann nach uns ihre Sitzplätze einnehmen.

Ich war – und bin es immer noch – so dankbar, dass es diesen Rollstuhlservice gibt. Eine unglaubliche Erleichterung. Nicht nur für mich selbst, die weit weniger laufen muss als alle anderen Fluggäste. Ich denke, auch meine beiden Begleiter haben den Sonderservice genossen, denn das manchmal lästige und anstrengende „in der Schlange stehen“ entfiel, ebenso wie das eigenständige Prüfen, an welchem Schalter wir überhaupt richtig anstehen und welches Gate uns zu unserem Flugzeug bringt. So hatten die beiden auch „nur“ hinter mir und meinem Rollstuhl herzulaufen. Sehr praktisch.

 

  1. Wie sorge ich dafür, dass mein Körper keine chemischen Stoffe während des Fluges aufnehmen muss?

Eine Lösung für diese Frage zu finden, war sehr aufwendig. Von meinem früheren Arzt erhielt ich vor Jahren mal die Empfehlung, Flugreisen mit einer eigenen Sauerstoffversorgung zu planen. Grundsätzlich ist das bei den meisten Fluggesellschaften kein Problem. Also fragte ich mich durch, denn es gibt für eine Sauerstoffversorgung an Bord zwei Möglichkeiten: entweder ich kaufe den Sauerstoff direkt bei der Fluglinie, ich schaffe mir einen Sauerstoffkonzentrator an oder ich nutze selbst gekaufte Sauerstoffflaschen.

Variante 1 – den Sauerstoff bei der Fluglinie kaufen – war nicht möglich, denn die Fluglinie Condor bot diesen Service nicht an. Als wir den Flug buchten, waren uns annehmbare Abflugs- und Ankunftszeiten einfach wichtiger. Denn morgens um 6 Uhr in Frankfurt am Main losfliegen, zwei Stunden vorher zum Einchecken am Flughafen sein plus Anfahrt mit dem Zug von ca. 1,5 Stunden. Nein danke, das kam nicht in Frage. Denn ein einigermaßen geregelter und gleichmäßiger Schlafrhythmus ist bei ME/CFS enorm wichtig.

Variante 2 – Sauerstoffkonzentrator – wurde nach einer eingehenden Produktrecherche und unzähligen Telefonaten mit Experten bei entsprechenden Firmen, im Endeffekt verworfen. Denn hier liegt die Tücke im Detail: Ein Sauerstoffkonzentrator zieht die Luft aus dem Umfeld des Gerätes an, filtert sie und am Ende eines technischen Prozesses kommt dann sauerstoffreiche Luft raus. Aus dem Umfeld des Gerätes? Na prima, macht zwar technisch Sinn, aber die Filter sind nicht so umfangreich, als dass sie z.B. Duftstoffe rausfiltern würden. Abgesehen davon, sagte der Experte, würde mein Körper den Sauerstoff gar nicht aufnehmen. Denn mein Körper hat nahezu 100% Sauerstoffsättigung – dieser Test wird regelmäßig wegen meines Asthmas gemacht.

Variante 3 – eigene Sauerstoffflaschen mitnehmen – hat sich ebenfalls an unpraktikabel herausgestellt. Denn ich hätte für den Flug nach Lanzarote insgesamt sechs Flaschen für den Hin- und Rückflug mitnehmen müssen. Die Das übersteigt die zulässige Menge des Handgepäcks bei weitem. Abgesehen davon, dass die Frage des Transportes im Zug usw. ebenfalls große Probleme hervorgerufen hätte. Und ob die Fluglinie ihr OK für so eine Lösung gegeben hätte – keine Ahnung.

Einer der Experten kam auf die rettende Idee: wenn es mir nicht möglich ist, reine Luft einzuatmen, dann muss ich eben die vorhandene Luft entsprechend filtern. Und deshalb machte ich mich über optimale Filtertechniken schlau. Denn schließlich gibt es solche Atemschutzmasken ja, z.B. für Feuerwehleute oder Industriearbeiter. Jetzt galt es nur noch die richtige Filtertechnik zu finden, aber auch das war mit wieder anderen Experten kein Problem. Ok, so eine Atemschutzmaske sieht gruselig aus, aber sie hilft. Ich habe am Flughafen z.B. kein Kerosin gerochen, während meine beiden Begleiter davon redeten wie schlecht die Luft im Warteraum vor der Sicherheitsschleuse sei. Im Flugzeug roch keinerlei Duftstoffe. Brillant! Lediglich der Gummigeruch der Maske selbst war ein wenig schwierig, aber durch wochenlanges Ausgasen vor dem Abflug war es erträglich.

 

Ja, es brauchte viel Vorbereitung für unseren Urlaub. Aber was soll ich sagen: Jetzt im Nachhinein kann ich die Erfahrungen auch für andere Urlaube nutzen. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall!

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