Die Sache mit der Hoffnung

Ein neuer Zyklus des Hoffens ist bei mir angebrochen. Durch den Termin in der Immundefektambulanz der Charité in Berlin und den Aussagen der dortigen Ärztin, könnte es tatsächlich eine erste Behandlungsmöglichkeit für mich geben. Es ist schwierig auszuhalten, dass es so wenige Forschungsgelder für ME/CFS gibt und daher die Forschung so ewig braucht, um uns Patienten endliche eine berechtige Aussicht zu geben. Und das bei weltweit ca. 17 Millionen betroffenen Menschen. Es ist unglaublich.

So habe ich als betroffene Patientin zwar ein intellektuelles Verständnis für die medizinische Hilfslosigkeit wirklich engagierter Ärzt*innen. Aber gleichzeitig muss ich extrem aufpassen, dass ich nicht von einer großen Hoffnungslosigkeit beherrscht werde. Denn diese würde mir mein Leben zusätzlich erschweren. Und das ist schließlich schwer genug. So gilt es einen Weg zu finden, zu hoffen und die Hoffnung gleichzeitig loszulassen. Das Leben gleichsam im Hier und Jetzt zu leben. Die Sonne heute genießen, die wunderbaren kleinen Dinge meines Alltags achtsam wahrzunehmen und mich an ungewöhnlichen Erlebnissen und bewährten Gewohnheiten zu erfreuen.

Falls ich dann doch einmal das tiefe Tal der Tränen betrete, weil mein aktueller niedriger Energiezustand und meine Trauer über vermeintlich verlorenes Glück einfach übermächtig werden, dann lasse ich es zu. Ich weine, ich wüte, ich bin zornig auf alles und jede*n, hadere mit meinem Schicksal und bedauere mich sehr. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es mir nicht hilft, wenn ich mir mit Disziplin Selbstbeherrschung abverlange. Ich kann mich leichter an meine Ressourcen erinnern, wenn ich mich auch im Tal der Tränen liebevoll annehme. Eine Freundin würde ich schließlich auch einfach in den Arm nehmen und sie halten in ihrem Schmerz. So tue ich es mit mir mittlerweile auch. Dann weine ich eben, so lange wie die Tränen fließen wollen. Sind alle Tränen für den Moment geweint, dann spüre ich wieder Ruhe in mir. Auch ein wenig Zuversicht, dass ich den nächsten Schritt, manchmal sogar die nächste kleine Wegstrecke bestimmt schaffe. Und dann atme ich einfach ein. Und wieder aus. Und ein. Und aus.

So einfach ist es manchmal.

Bis ich die Ergebnisse meiner immunologischen Blutuntersuchung erhalten, werde ich das auch tun.

Einatmen. Ausatmen. Hoffen. Beten. Einatmen. Ausatmen.

Bangen, Zweifeln und Schwarz-Malen verbiete ich mir nicht, sondern lasse sie zu, zeige mich damit und dann wieder…

Einatmen. Ausatmen. Hoffen. Beten.

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