Cafébesuch als Therapieansatz

Von letzter Woche wird es keine Gänseblümchen von mir geben. Ich hatte und habe einen Durchhänger. Dabei sollte ich doch zufrieden mit mir sein. Gesundheitlich geht es eigentlich ganz gut. Naja, bei einer chronischen Krankheit ist es  schwierig „gut“ zu sagen. Denn gesund bin ich nicht plötzlich geworden. Aber verglichen mit manchen anderen schlechten Tagen geht es mir gut. Ich kann jeden Tag zumindest halbtags aktiv sein. Das ist doch schon was!

Dennoch habe ich einen Durchhänger. Weil… mir ist langweilig. Im Grunde ist dies kurios. Weil es mir nicht sehr schlecht geht, habe ich mehr Kraft zur Verfügung. Gleichzeitig weiß ich, dass ich dieses bisschen mehr an Kraft nicht hirnlos rauspowern soll bzw. darf, denn sonst habe ich am nächsten Tag einen Crash und dann geht nichts mehr. Was aber tun in den Zeiten mit  einem Mehr-an-Kraft, aber mich dennoch ruhig verhalten?

Die einigermaßen guten und dennoch nicht zu anspruchsvollen Fernsehsendungen sind angeschaut. Für intensive Kontakte zu Freund*innen fehlt mir die Lust und gleichzeitig sehne ich mich nach Gesellschaft. Außerdem sind die Freund*innen berufstätig. Und wenn sie dann endlich erreichbar wären, bin ich schon wieder zu müde für einen Kontakt. Wie aber neue Menschen kennen lernen, die wie ich tagsüber Zeit haben, wenn ich so gut wie nirgends hingehen kann? Andere Menschen in meiner Situation machen einen Kurs bei der Volkshochschule, melden sich im Fitnessstudio an oder engagieren sich ehrenamtlich. Durch meine Einschränkungen erscheint mir dies unmöglich.

Es geht auch nicht darum, dass ich irgendwie beschäftigt bin. Langeweile ist gar nicht das Problem. Was ich wirklich will: Ich will mich nicht so alleine fühlen. Ich bin früher ein eher geselliger Mensch gewesen. War berufsmässig engagiert in der Poltik, habe regelmässig im Chor gesungen und mich in Frauengruppen engagiert. Ich war eingebunden in ganz verschiedene Gruppen und das hat mir ein Gefühl der Zugehörigkeit vermittelt.

Das Internet ist für Menschen wie mich eine Möglichkeit für einen sozialen Austausch. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber es fällt mir bislang schwer, eine freundschaftliche Beziehung über die sozialen Medien aufzubauen. Vielleicht habe ich auch einfach noch nicht die richtigen Menschen im Web gefunden. Menschen, die postiv in die Zukunft schauen, die Lust auf das Leben haben. Oder ich muss doch all meinen Mut zusammen nehmen und persönlichen Kontakt suchen. Ich bin unschlüssig.

Als ersten Schritt raus aus meinem Isolationsgefühl habe ich mich heute entschlossen, in ein Café zu fahren und meinen Kummer meiner Blogseite anzuvertrauen. Die Stimmen der anderen Gäste sorgen dafür, dass ich ich mich nicht alleine fühle und mich irgendwann dann wieder auf meine Ruhe daheim freue. Klappt ganz gut.

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