Meine Gänseblümchen in der KW 15/2017

Meine Woche war turbulent. Und daher wenig von bemerkenswerten Kleinigkeiten geprägt. Ich hatte einen 24-Stunden-Übernachtungsbesuch von einer Freundin, einen Halbtagsbesuch von meiner Ferienfreundin, einen Spieletag mit Familie und einem Freund und zwischendurch bin ich mit dem Zug nach Mannheim zu einem abschließenden Arztgespräch gefahren und war zwei Mal in der Stadt einkaufen.

Ich weiß nicht, wie ich das alles geschafft habe. Und ich weiß auch nicht, wie ich im Vorfeld auf die Idee kommen konnte, dass diese Aktivitäten keine Folgen haben würden. War auch nicht so. Am Ostersonntag meldete sich mein Körper unmissverständlich mit einem Crash: Schwindelanfälle im Liegen und daran anschließendes Erbrechen. Sobald ich mich anstrengte, folgte ein neuer Schwindelanfall. Dieser Zustand hielt ungefähr einen dreiviertel Tag an.

Während dieser turbulenten Woche begegnete mir ein unverhofftes Gänseblümchen,  an das ich mich erinnern kann. Nämlich als ich „noch schnell“ meine Bücher in der Bibliothek abgeben wollte, kein Parkplatz frei war und ich ohne Parkticket und ein wenig in einen Einfahrt hineinragend geparkt hatte. Auf dem Hinweg zur Bücherei kam mir der Ordnungsbeamte schon entgegen und ich nahm seufzend den Strafzettel in Kauf. Ein Umdrehen kam nicht in Frage, denn meine Kraftressourcen waren schon fast erschöpft. Nachdem ich die Bücher abgegeben hatte und zurück beim Auto war, verzichtete der Beamte auf einen Strafzettel. Und das, ohne dass ich auf die Tränendrüse drückte oder meine Erschöpfung bzw. meine Erkrankungen als Grund angab. Schön, wenn ein Beamter einfach mal ein Auge zudrückt.

Wichtigstes Gänseblümchen der Woche: Als ich sonntags zwischen Schwindelanfall und Erbrechen über dem Eimer in meinem Bett saß, war es berührend, heilsam und entspannend, dass ich nicht alleine war. Dass mein Mann mir mein Haar zurückband, seine Hand auf meinen Rücken legte und mir erinnerte, mich in die Zeugenposition zu begeben. Das hat meine Angst enorm reduziert und mich meinen schlechten Zustand annehmen lassen. Diese Gelassenheit trug mich durch den gesamten Tag, den ich hauptsächlich verschlafen und verdöst habe. Wäre mir die Zeugenposition nicht gelungen, würde es mir heute – einen Tag später – sicherlich nicht so gut gehen, dass ich diesen Post schreiben kann.

Ansonsten finde ich es bemerkenswert, dass das Fehlen der kleinen Gänseblümchenmomente mich letztendlich unzufrieden macht. Um ein Gänseblümchen aber als solches erkennen zu können, brauche ich mehr Ruhe und freie Zeiten. Für meinen Körper, für meinen Geist, für meine Seele. In der Lücke und in der Entspannung sind Gänseblümchen viel leichter wahrzunehmen als in Hektik.

1 Kommentar


  1. Hallo Barbara

    ….(ist es eigentlich o.k – wenn ich ab und zu über einen Gedanken über das was du schreibst philosophiere?)…? Löst ja beim Lesen auch immer was aus -….)

    Ansonsten finde ich es bemerkenswert, dass das Fehlen der kleinen Gänseblümchenmomente mich letztendlich unzufrieden macht. Um ein Gänseblümchen aber als solches erkennen zu können, brauche ich mehr Ruhe und freie Zeiten. Für meinen Körper, für meinen Geist, für meine Seele. In der Lücke und in der Entspannung sind Gänseblümchen viel leichter wahrzunehmen als in Hektik.

    …dieses Gefühl…beim Fehlen von Gänseblümchen….oder bei der Aussicht auf (erlebbare) Gänseblümchen oder wieder absagen müssen…ist interessant – finde ich schön wie du das beschreibst – …soviele Ebenen die mitspielen wie man sich fühlt….dann der Zeuge….dann das Lebenslicht, dass sich manchmal soweit zurückzieht…dann wieder kommt, dann wieder dünner wird…lebe ja auch in einer Partnerschaft – auch hier die Gänseblümchen, auch je nach Verfassung – aber was ist hinter der Vefassung ist – …

    Ja – danke, dass deine Beschreibungen immer wieder geistanregend sind den Blick auf Zwischenräume zu lenken 🙂

    Lieben Gruß
    B.

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