Ein Meer aus Tränen

Seit ein paar Tagen schon, weine ich völlig unvermittelt einfach vor mich hin. Ich fühle mich so einsam. Im Stich gelassen von meinem Körper. Betrogen um ein erfülltes Leben auf dieser wunderschönen Erde.

Dabei bin ich umgeben von liebevollen Menschen. Es scheint keinen äußeren Grund zu geben und dennoch fließen die Tränen. Meine Selbstberreschung ist wie weggespült.

Ich weine um mein verlorenes frühere Leben, um meine Spontanität, meine Freiheit. Es ist als wäre keine Hand da, die ich ergreifen könnte. Es ist so verrückt – denn ich weiß gleichzeitig, dass es Hände gibt, die da sind. Ich bin nicht alleine. Und dennoch kann ich nur alleine diesen Schmerz in meiner Tiefe und Intensität fühlen.

Ja, es geht mir gesundheitlich ein schlechter als vor einigen Wochen. Die Crashs kommen häufiger, sind intensiver. Vielleicht hat mich auch das Leid der anderen ME/CFS-Erkrankten am gestrigen 12. Mai #millionsmissing #MEAwarnessDay so mitgenommen, dass ich mich erst davon erholen muss. Die Schicksale der anderen schockieren mich. Sie machen mir auch Angst.

Gleichzeitig tut es mir gut, dass sich so viele Menschen zeigen. Denn dadurch fühle ich mich eben nicht mehr alleine. Durch das Internet entsteht ein Netz, von dem auch ich getragen werde. Weil ich dort den Eindruck habe, dass mich die anderen Betroffenen wirklich verstehen. Sie können den Schmerz mitfühlen, aus eigener Erfahrung.

Vielleicht ist es gut, wenn alle meine sonstigen Selbstbeherrschungsmethoden gerade versagen. Auch wenn die emotionale Aufregung nicht dazu beiträgt, dass meine zur Verfügung stehenden Energie mehr wird. Diese Tränen wollen geweint werden. Jetzt. Während ich diese Worte tippe.

In meinem Buch „Zeitweise lebensmüde“ habe ich die fünf Phasen Verleugung, Wut, Verhandlung, Depression und Annahme beschrieben. Auch wenn ich diese Phasen alle schon durchlaufen habe, sie kommen immer wieder in mein Leben. Denn das Leben funktioniert nicht linear. Wenn ich das Leben zeichnen müsste, würde ich eine Spirale malen.

Und so sind die Tränen ein Ausdruck des Schmerzes, der für mich hinter der Wut liegt. Nachdem ich diesen Post geschrieben habe, sind meinen Tränen versiegt. Ich fühle mich ruhiger. Verbunden mit mir selbst. Nehme mich in Gedanken selbst in die Arme. Lasse mich von der Sonne streicheln und bin endlich für einen kostbaren Jetzt-Moment in Frieden mit mir selbst.

 

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