Mein sicherer Raum

Ich war auf einer Reise. Alleine. Das bringt besondere Herausforderungen mit sich. Eine davon beschäftigt mich besonders: mein sicherer Raum.

Ich habe den Begriff des sicheren Raumes als traumatherapeutische Methode kennen gelernt. Dort wird er eingesetzt, um in sich und vor allem um sich herum ein sicheres Umfeld zu schaffen, sobald das eigene System in einen inneren Alarmzustand umgeschaltet hat. Er dient dazu, das System wieder zu beruhigen und aktiv den Stresslevel zu reduzieren.

Für mich ist der sichere Raum in Bezug auf Interaktionen mit anderen Menschen immens wichtig geworden. Denn wie ich in einem früheren Post schon einmal beschrieben habe, ist das Pacing in meinem Krankheitsmanagement von ME/CFS immens wichtig. Zuhause kann ich meinen Schwerpunkt auf einen sicheren Raum um mich herum legen, was einen geregelten Tagesablauf entsprechen könnte oder auch das eigene Haus nicht zu verlassen.

Was aber, wenn ich eine Reise mache? Wenn der äußere sichere Raum nicht gegeben ist, weil alles weitgehend unbekannt ist? Ich mich in gewisser Weise einfüge (n darf/muss/soll) in die bestehenden Strukturen meiner Gastgeber?

In der letzten Woche habe ich erlebt, wie es sein kann, wenn ich keine Rückzugsmöglichkeit habe. Denn im Haus meiner Freundin kann ich mich aufgrund von Teppichboden und Laminat in den Obergeschossen nur im Erdgeschoss aufhalten. Das ist bei einem typischen Reihenmittelhaus der zentrale Raum des Hauses, nämlich das Wohnzimmer. Offen gestaltet noch dazu.

Meine Lösung war, dass ich mir einerseits notwendige Ruheinseln geschaffen habe, aber die größere Wirkung hatte der aktive Einsatz meines inneren sicheren Raumes. Wenn mich zentriert fühle und sicher in mir, dann kann ich auch mit ungewohnten Umgebungsbedingungen ganz gut zurechtkommen. Nicht unendlich lange, aber doch eine Weile. Wenn ich dagegen aus meiner Selbstsicherheit falle, dann brauche ich sehr viel weniger Reize im Außen, um das Gefühl der völligen Überforderung in mir zu spüren.

Um meine Selbstsicherheit zu stärken, meditiere ich daher auf Reisen konsequent jeden Tag. Es ist eine Hypnose-Session zum Thema „Stress reduzieren und Gelassenheit üben“, die mir hier sehr hilft. Oder auch die Meditation „Reise zum inneren Kraftort“. Wenn ich mal keine 30-45 Minuten Zeit habe, nutze ich eine einfache Entspannungs-Atemmeditation, um mich zu zentrieren.

Denn nur wenn ich selbstsicher in mir bin, spüre ich auch die Signale meines Körpers. Er meldet mir ja zuverlässig, wenn meine Kraftreserven fast erschöpft sind und ich dringend eine Pause brauche. Ich muss nur zuhören. Und dann Taten folgen lassen.

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