Meine Seele weint

Vor einer Woche habe ich Ihnen erzählt, dass ich neben MCS und ME/CFS auch eine Traumafolgenstörung diagnostiziert bekommen habe. Erst zwei Tage später kam der Schmerz so richtig bei mir an. Die Struktur des Gespräches war wie immer: wenn es um meine innere Wahrheit geht, stoße ich auf taube Ohren. Ich fühle mich nicht gesehen, nicht wahr genommen. Meine Gefühle zählen nicht. Meine Gedanken, mein Standpunkt zu schwierigen Themen sind unwichtig. Meine Wahrheit gibt es einfach nicht. Ich höre keine Frage, warum ich etwas genau so gemacht habe, wie ich es eben gemacht habe. Stattdessen Vorwürfe. Vielleicht weil ich nicht so bin, wie es erwartet wird – zumindest erscheint mir das so.

Das tut so unendlich weh. Ich fühle mich verloren. Verlassen. Einsam. lch frage mich, weshalb ich geboren bin, wenn es doch uninteressant ist, was ich denke und fühle?! Mag sein, dass ich das einseitig sehe. Aber genau das ist meine innere Wahrheit. Mein Erleben. Das ist die Seite, die so unglaublich schmerzhaft ist. Und diese Seite will endlich gesehen werden. Gefühlt werden. Von mir.

Ich will mich damit auch nicht mehr verstecken, nicht mehr so tun als wäre alles in Ordnung. Ich habe es so satt, nach außen hin zu funktionieren. Jahrzehntelang war ich das brave, angepasste, funktionierende Mädchen. In den letzten Jahren bin ich erwachsen geworden. Es war ein langer Weg, ein schwieriger Weg. Ich habe gekämpft und trotz des Schmerzes nicht aufgegeben. Ich bin stolz darauf, dass ich nur noch in Ausnahmefällen dissoziiere. Früher war es ein Dauerzustand. Heute kann ich meine Gefühle tatsächlich wahrnehmen. Das ist immer noch überraschend und oft auf furchteinflößend.

In guten Momenten bin ich stolz. Stolz, weil ich überlebt habe. Bis hierhin habe ich tatsächlich überlebt. Manchmal wundert mich das wirklich, dass ich nicht zerbrochen bin. Ich wundere mich dann auch über meine innere Stärke. Ich weiß, ich werde auch weiterhin überleben. Nein, ich werde nicht überleben, sondern ab sofort lebe ich. Egal, ob meine Seele gerade ein bisschen weinen will. Denn diese schmerzvollen Tränen dürfen endlich raus aus mir. Irgendwann werden sie schon alle geweint sein. Ich will die Vergangenheit sein lassen wie sie war. Ich kann sie nicht verändern. Aber ich kann den gegenwärtigen Moment wahrnehmen und bei Bedarf kann ich darin etwas verändern. Genau so will ich leben. Jetzt. Und jetzt. Und jetzt.

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