Bestandsaufnahme 1a: Körperliche Gesundheit

20. März 2018 Allgemein

Durch die neue Diagnose Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) hat sich in meinem Verständnis zum Thema „meine körperliche Gesundheit“ einiges geändert, die daraus folgenden Therapieoptionen sind allerdings fast identisch geblieben. Es ist als hätte ich in den letzten über 10 Jahren einzelne Bildstücke zusammengetragen und erst mit MCAS erschließt sich mir, dass es tatsächlich ein zusammenhängendes Bild ist. Das ist irgendwie schon ein Segen für mich. Derzeit habe ich keine weiteren Ambitionen oder inneren Impulse, dass es da draußen doch eine Erklärung für meinen körperlichen Zustand geben muss. Endlich ist mein Verstand zufrieden.

Mastzellen (Mastozyten) sorgen über das Immunsystem im Körper für eine schnelle Reaktion, wenn ein gefährlicher Stoff gesichtet wird. Es sind quasi die Wachtürme einer von einer Mauer umgebenen Stadt. Dazu schütten die Mastzellen bis zu 200 unterschiedliche Botenstoffe aus. Bekannt ist vor allem der Stoff Histamin, der meist bei allergi­schen Reaktio­nen (Über­reaktion des Immun­systems) in grossen Mengen ausge­schüttet wird. Auch durch das eingesetzte Medikament zur Symptomlinderung Anti-Histaminikum kennen wir den Begriff Histamin – zumindest indirekt.

In meinem Fall wurde in meiner Magen- und Darmflora eine vermehrte Anzahl von Mastzellen gefunden. Meine Stadtmauer hat also, bildlich gesprochen, nicht alle 50 Meter einen Wachturm, sondern alle 5 Meter. Und die Kollegen Wächter sind zudem äußerst leicht in Alarmbereitschaft zu versetzen. Mastzellen sitzen im gesamten Körper, aber bevorzugt im Bindegewebe und in den Grenzorganen – also an Schleimhäuten, Haut, Nerven und Blutgefässen.

Um mein Immunsystem nun nicht ständig unter absoluten Stress zu setzen und es auf längere Sicht völlig zu überfordern, ist die wichtigste Therapie, die mastzellaktivierenden Auslöser strikt zu meiden und die dann trotzdem noch auftretende Symptome mit unterschiedlichen Medikamenten zu unterdrücken. Ich nehme nur nicht so gerne Medikamente, weil sie oft lediglich die Symptome bekämpfen und nicht die Ursachen. Abgesehen davon vertrage ich viele nicht und von daher bin ich geübt im Vermeiden der Auslöser.

Welche Auslöser veranlassen die Mastzellen aber, Histamin freizusetzen? Hier eine kleine Auflistung (angelehnt an Informationen der Homepage www.mastzellaktivierung.info):

  • Chemische Auslöser
    • Lebensmittel, Zusatzstoffe
    • Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel, Stärkungsmittel
    • Chemische Reizstoffe (bei MCS – Chemikalienunverträglichkeit): Duftstoffe, Luftschadstoffe, Tabakrauch, Schadstoffausdünstungen aus Baustoffen und Möbeln, usw.
  • Psychische Auslöser
    • Nervliche Erregung: psychischer / seelischer Stress, Emotionen, Zeitdruck, Leistungsdruck
    • Psychische Eigenschaften und Erkrankungen: Ängstlichkeit, Angststörungen, Hypochondrie, psychosomatische Störungen
  • Physikalische Auslöser
    • Körperlicher Stress (Sport oder Sex), mechanische Einwirkungen: körperliche Anstrengung (Sport oder anstrengende handwerkliche Tätigkeiten), Verletzungen (Druck, Reibung, Kratzen, Schnitte) oder Insektenstiche, sinkender oder schwankender Luftdruck (→Wetterfühligkeit)
    • Strahlung, Energie, Temperatur: Kälte, Wärme, Temperaturschwankungen, Sonnenlicht
  • Körperliche Auslöser
    • Allergien (IgE, aber auch IgG), Kreuzreaktionen
    • Autoimmunerkrankungen
    • Hormone: Menstruation, Hormontherapien, hormonaktive Umweltschadstoffe
    • Nebennierenschwäche
    • Zirkadiane Rhythmen (Tag-Nacht-Rhythmus): tageszeitliche Schwankungen des Cortisonspiegels, Schlafmangel, Schlafentzug
    • Mediator-Abbaustörungen: Histamin-Abbaustörungen
    • Krankheitserreger: bakterielle Infekte, Parasiten, Präparate zur „Stärkung“ des Immunsystems (z.B Echinacea-Extrakt), Hyposensibilisierungstherapie für Allergiker („Desensibilisierung“)

Es genügt, die stärksten und am einfachsten zu vermeidenden Auslöser zu meiden, denn im Fokus steht immer die Gesamtmenge an Histamin im EIGENEN Körper. Erst dann ist es sinnvoll, die unterstützenden Medikamente auszuprobieren.

Wenn du jetzt das Gefühl hast, dass das doch gar nicht geht, dann bist du nahe dran. Es ist eine alltägliche Herausforderung, alle Auslöser zu finden, sie zu bewerten und mein Leben entsprechend umzustellen. Aber nach den vielen Jahren Training und einer kompletten Lebensumstellung gelingt mir meist ganz gut. Sag ich jetzt und hier, aber es gibt schon auch immer wieder Rückschläge. Es ist und bleibt mein Leben lang ein Tanzen auf einer sehr dünnen Eisdecke. 10 Minuten im Eiswind stehen. Einen chemischen Schadstoff  beim Verlassen des Hauses einatmen, weil die Atemschutzmaske nicht griffbereit ist. Albträume in der Nacht. Ein zu langer Spaziergang. Ein emotional aufregendes Telefonat. Die Pausen in meinem Terminplan nicht einhalten, weil ich z.B. Spaß an der PC-Arbeit habe. Alles Möglichkeiten, dass meine Mastzellen Alarm brüllen, mein Immunsystem sich zum Krieg rüstet und die gesamte Symptomkaskade zur Abwehr in Gang gesetzt wird.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden.

Schließen