Halbzeit

8. September 2018 Allgemein

Heute Nacht träumte ich, dass ich mit ein paar Mitschülern rasant mit meinen Ski den Abhang hinunter in eine lange Kurve fuhr. Ich liebte die hohe Geschwindigkeit schon als Kind. Es wurde mir jedoch blitzartig klar, dass ich diese Kurve nicht bis zum Schluss würde ausfahren können. Stattdessen würde ich einen tödlichen Unfall haben. Mit dieser inneren Klarheit über meinen bevorstehenden Tod habe ich mich gefasst und gleichzeitig innerlich einverstanden von meinen Mitfahrern verabschiedet. (Was im Traum alles so geht…) Die große Geschwindigkeit sorgte tatsächlich dafür, dass ich aus der Kurve getragen wurde und den Abhang hinunter stürzte. Völlig überraschend überlebte ich jedoch diesen Absturz. Sogar absolut unverletzt. Ein wenig perplex, ausgeglichen und glücklich umarmte ich am Ende meines Traums eine Mitschülerin.

Der Traum fühlt sich so passend für die Entscheidung an, die ich in der Nacht davor für mich getroffen habe. Anlässlich meines Geburtstages und des vor kurzem vollzogenen Umzuges gilt ab sofort folgende Vereinbarung mit mir selbst:

Die erste Hälfte meines Lebens überlebte ich.

Die zweite Hälfte meines Lebens lebe ich.

Ich werde Hilfe in Anspruch nehmen, damit ich aus den Traumareaktionen schneller aussteigen kann. Besser noch, dass ich  frühzeitig bemerke, wenn ich durch einen Trigger in den Überlebensmodus einsteige. Ich habe es so satt, ständig wie erstarrt meine Tage zu verbringen. Nicht mehr zu fühlen, weil ich als Kind mir diese Reaktion ausgesucht habe, um meine Traumata zu überleben. Immer wieder fühle ich mich betrogen um so viele Jahre, die ich nicht wirklich mitbekommen habe. Wie auch, wenn ich funktionierend aber völlig erstarrt durch meinen Alltag gehe? Aber es liegt an mir, genau dies zu ändern.

Die körperliche Erkrankung wird mich aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin begleiten. Aber wie ich mir hier ein geringes, aber einigermaßen stabiles Niveau erarbeitet habe, werde ich das im psychischen Bereich ebenso schaffen. Die körperlichen Einschränkungen hindern mich nämlich nicht daran, ein erfülltes Leben zu leben. Daran hindert mich der Überlebensmodus, der mich erstarren lässt. Abgesehen davon kostet er Kraft. Zusätzliche Kraft, die ich überhaupt nicht habe.

Die zweite Hälfte meines Lebens lebe ich.

Ich werde mich zukünftig fühlen. Es geht nicht darum, ständig auf einer Wolke von positiven Gefühlen zu schweben. Das entspricht nicht dem Leben, das immer Herausforderungen für mich beinhalten wird. Ich werde also alle Gefühle wahrnehmen, die guten und die sogenannten schlechten. Denn wenn ich fühle, lebe ich. Sonst funktioniere ich lediglich. Ich werde also als Erwachsene mein Leben fühlend wahrnehmen und mein Leben selbst gestalten. Ich lebe. Ab sofort.

 

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