Mein verrücktes Ziel für 2019

Ich glaube, ich bin verrückt. Verrückt, weil ich mir ein Ziel ausgesucht habe, dass ich gar nicht erreichen können sollte/dürfte/wollte. Als ME/CFS- und MCAS-Erkrankte ist es aus ärztlicher Sicht nicht empfehlenswert – besser wohl verboten – sich körperlich zu verausgaben. Zu starke Bewegung hat im schlimmsten Fall eine massive Verschlechterung des aktuellen Geusndheitszustandes zur Folge, die tage-, monate- aber auch jahrelang anhalten kann. Bis hin zur Pflegebedürftigkeit.

Auch ich habe vor Jahren die Empfehlung bekommen, keinen Sport zu machen. Wenn überhaupt, dann nur ein bisschen sanftes Konditionstraining auf einem Ergometer. Was in der Tat mit dem richtigen Trainingsplan, Willen und Disziplin auch zum Erfolg führte. Bis der nächste gesundheitliche Einbruch kam. Aber mehr als 20-30 Minuten Spazierengehen ist mir einfach nicht mehr gelungen.

Heute setze ich mir dennoch das Ziel am 8. Septemer 2019 2,5 km um den See zu joggen. JOGGEN! Ich, die im Herbst 2015 bei Spaziergängen im Rollstuhl saß, sich damals als Alternative dazu einen geländegängigen E-Scooter gekauft hat und Bahnreisen grundsätzlich nur noch mit Rollstuhl unternimmt Das ist verrückt. Aber richtig!

Warum will ich das unbedingt tun? Im Zusammenhang mit meinem wichtigsten Trauma habe ich erkannt, dass ich sehr gerne damals aus der Situation weggelaufen wäre. Aber es war mir nicht möglich. Einerseits weil ich noch ein Baby war und gar nicht laufen konnte, andererseits weil ich bei der ärztlichen Untersuchung festgebunden war. Immer wenn ich heute eine Traumareaktion habe, bekomme ich Schmerzen in den Beinen, v.a. in den Oberschenkeln und der Wunsch, rennen zu können, wird riesig.

Wenn ich am 8. September 2019 um den See jogge, werde ich mich wieder ein Stück erwachsener und sicherer fühlen.Erwachsener, weil ich mit Willen, Disziplin und Achtsamkeit ein verrücktes Ziel erreicht habe. Sicher, weil ich mich aus jeglicher bedrohlicher Situation auf den eigenen Füßen entfernen kann.