Die Sache mit den Gefühlen

14. Dezember 2018 Allgemein

Gefühle. Ich bräuchte eine Gebrauchsanweisung dafür. Ich weiß wohl, dass es fünf Hauptgefühle gibt: Freude, Angst, Trauer, Wut und Scham. Ich kann sie auch alle spüren in mir. ABER: sie dürfen nicht zu stark werden.

Deswegen besteht ein Großteil meines Alltags daraus, bewusst in einem entspannten Zustand zu sein. Dabei ist der Zustand der Übererregung für mich schon so normal, dass mich ein entspannter Zustand eher irritiert. Vermutlich auch, weil ich ihn mit meiner Krankheitsgeschichte als ein Symptom von ME/CFS werte. Ich verwechsle eine einfache Entspannung mit Erschöpfung. Erst mit der Kontrolle über einen Pulsmesser verstehe ich dann, dass ich lediglich entspannt bin. Ich selbst spüre den Unterschied (noch) nicht. Bei Erschöpfungszuständen aufgrund von Aktivitäten meines Immunsystems ist mein Puls naturgemäß wesentlich höher.

Es scheint mir so, als wäre meine größte Angst, meine eigenen Gefühle zu fühlen. Je stärker das Gefühl, desto schlimmer ist das Gefühl der Bedrohung. Desto schneller auch die Lösungsmöglichkeit der Dissoziation – also das Abspalten meiner Gefühle. Dabei ist es tragischerweise ziemlich egal, ob es ein positives Gefühl wie Freude oder eines der als negativ bewerteten wie Angst, Wut, Trauer oder Scham ist. Mein Nervensystem entscheidet selbständig, dass die Erregung momentan zu heftig ist und zack, ich spüre nichts mehr. Diesen Automatismus „zu hohe Erregung -> Dissoziation“ hat mein Nervensystem vermutlich durch ein kurz nach Geburt erlebtes Schocktrauma erlernt. Die damals ärztlich notwendige Untersuchung, die in meinen ersten Lebensjahren noch öfter durchgeführt wurde, führte zur stabilen Ausprägung dieses Überlebensmechanismus.

Im Alltag funktioniere ich ganz passabel, so lange nichts Außergewöhnliches passiert und ich mit meiner Erregung innerhalb meines „windows of tolerance“ bin. Erst langsam wird mir bewusst, dass ich anscheinend immer wieder Angst habe. Angst vor meinen eigenen Gefühlen. Ich neige dann zum Schwitzen und wende den Blick von meinem Gesprächspartner ab. Erste Anzeichen meiner Dissoziation. Und das passiert eben auch, wenn ich mit einer lieben Freundin im Café sitze und ich mich sicher und geborgen fühle.

Wie also gehe ich mit starken Gefühlen um? Ja, wenn ich das wüßte…


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