Innere und äußere Schönheit

30. Januar 2019 Allgemein

Ich erinnere mich, dass ein Freund meines Vaters mein Studium der Oecotrophologie (Haushalt- und Ernährungswirtschaft) sinngemäß folgendermaßen kommentierte: „Ah, du gehst auf eine Knödel-Akademie. Warum studiert man kochen und putzen?“ „Ich lerne nicht, diese Dinge zu tun, sondern sie zu delegieren“, war meine Antwort damals.

Tja, mit meinen Erkrankungen und der daraus resultierenden Arbeitsaufteilung habe ich dafür gesorgt, dass ich seit einigen Jahren die Rolle der Hausfrau ausübe. Putzen. Einkaufen. Kochen. Garten. Immerhin koche ich mittlerweile gerne, backen natürlich noch lieber. Aber putzen? Es ist für mich ein notwendiges Übel und immer wieder wundere ich mich über den wiederkehrenden Staub, die ständigen Kalkablagerungen im Bad, usw. usf. Selbst wenn ich mit einigem Elan geputzt habe, ist es nach kurzer Zeit wieder dreckig. Mich nervt das. Diese ständige Veränderung.

Ich versuchte das Putzen als eine Bewegungsmeditation zu begreifen. Es hat mir ein wenig mehr Freude gebracht. Immerhin. Beim letzten Mal Badputzen erkannte ich, dass ich ebenso eine Abneigung gegen das Putzen habe, wie meinen eigenen Körper zu pflegen. Warum? Es ist eine tief empfundene Ablehnung gegenüber allem Lebendigen. Aber auch gegenüber Schönheit.

Seit ich in diesem wunderbaren Haus wohne, umgebe ich mich bewusst mit Schönheit. Ich will hier nur noch Dinge um mich haben, die ich als schön empfinde. Jede Sache, die ich aus einer Kiste auspacke, durchläuft diese Prüfung. Ich will mich nicht mehr an Gegebenheiten anpassen. Ich will meine Umgebung gestalten, so dass sie mir gefällt und mich nährt. Durch den Umbau im Haus habe ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Badezimmer, das mir gefällt. So richtig. Seitdem macht es mir mehr Freude es zu putzen, denn ich erhalte und stelle seine Schönheit wieder her.

Was ist, wenn ich über das Putzen dieses schönen Badezimmers bzw. Hauses auch lerne, mir selbst Zeit und Aufmerksamkeit zur Pflege zu gönnen? So als wäre meine Arbeit an dem Haus – egal ob putzend oder renovierend – eine Metapher für das Putzen und Renovieren meines Körpers? Meines Körpers, der der Tempel ( = das Haus) meiner Seele ist. In der Traumatherapie steige ich in die Tiefen meines Unterbewusstseins hinunter. Bei der Renovierung streiche ich zeitgleich z.B. einen Kellerraum hellgelb und entscheide bewusst, was besitzt noch einen Wert, um dort aufgehoben zu werden.

Vielleicht spiegelt ja das Haus um mich herum meine innere Schönheit wider? Vielleicht darf ich mich selbst auch als schön erkennen? Womöglich egal ob tatsächlich schon alles renoviert und aufgeräumt ist?

Seit ich als Studentin eine Phase der Magersucht hatte, habe ich eine gestörte Körperselbstwahrnehmung. Die Ablehnung meines Körpers ist umfassend, denn mein Körper hat mich von Geburt an im Stich gelassen, so mein Glaubensmuster. Mein Verstand weiss, dass das nicht stimmt, im Gegenteil, aber es ist tief in mir verankert.

Fühlt sich so an, als dürfte ich noch ein Weilchen putzen und renovieren bis ich das Muster endgültig aufgelöst habe.


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