Fokusverschiebung

4. Juni 2019 Allgemein

In meiner Traumatherapie habe ich mich nun Monate mit den auslösenden Triggern beschäftigt. Dazu habe ich eine Traumalandkarte bzw Timeline meines Lebens erstellt, in der ich einerseits neutrale Meilensteine und andererseits die negativen Highlights notiert habe. Um das Negative damals wie heute irgendwie aushalten zu können, habe ich zusätzlich postive Erinnerungen gesammelt. Denn diese Begebenheiten sind oft bis heute Ressourcen für mich.

Dann sammelte ich aktuelle Situationen in meinem Alltag, denn ich wollte gerne verstehen, wie meine Reaktionen im Hier und Jetzt mit den alten Erfahrungen verknüpft sind. Ich habe mich also beobachtet, wann mein Nervensystem anfing zu reagieren oder ich dissoziierte.

Den aktuellen Ereignissen habe ich noch die verknüpften negativen Erfahrungshighlights meines bisherigen Lebens zugeordnet und durch meine Spurensuche drei große Themenbereiche herausgefunden. Allein, dass ich verstanden habe, wie dies alles zusammenhängt, brachte mehr Ruhe in mein gesamtes System. In einer aktuten Sitation ist es jetzt sehr hilfreich für mich, dass ich diese Zusammenhänge erkannt habe. Mein Traumatagebuch dient als Gedankenstütze, weil ich natürlich sehr gerne die erarbeiteten Ergebnisse vergesse. Oder verdränge?

Bei allem Fortschritt durch diese mühsame und gefühlsintensive Arbeit, blieb mein Fokus aber immer auf das Negative gerichtet.

In meinem Urlaub stolperte ich durch ein Gespräch mit meinen lieben Freunden über die Frage, welche Bedürfnisse ich habe. Erstaunlich war für mich, dass ich kaum Bedürfnisse so allgemein benennen konnte und schon gar nicht, welche ich denn habe. Also zumindst was über die körperlichen Bedürfnisse wie z.B. Wärme, Essen, Trinken oder Schlaf hinaus geht. Zum Glück gibt es aber ja für alles Informationen im Internet und unter dem Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ fand ich dazu Hilfreiches.

Das Bemerkenswerte an der Beschäftigung mit Bedürfnissen ist, dass ich meinen drei großen Themenbereiche relativ leicht Bedürfnisse zuordnen kann.

Statt #Ich bin falsch
habe ich unerfüllte Bedürfnisse im Bereich „Autonomie“

Statt #Ich bin einsam
habe ich unerfüllte Bedürnisse im Bereich „Verbindung“

Statt #Ich bin in Gefahr
habe ich unerfüllte Bedürfnisse in den Bereichen „Verbindung, Autonomie, körperliches Bedürfnis“

Dieser neue Blick auf meine drei großen Themenbaustellen entspannt mich. Denn endlich gelingt es, einen positiven Blick auf meine gesamte Situation zu werfen. Es ist unstrittig in mir, dass ich für ein unerfülltes Bedürfnis selbst verantwortlich bin. Ich darf mich um die Erfüllung kümmern – was nicht heißt, dass ich mir jedes Bedürfnis sofort erfüllen muss, ich andere Menschen nicht um Hilfe bitten darf oder sie gar nur zu meiner Bedürfnisbefriedigung existieren.

Die Fokusverschiebung, die in den letzten Tagen in mit stattgefunden hat, gibt mir eine gewisse Leichtigkeit zurück. Noch bin ich kein Profi und es dauert manchmal lange, bis ich mein Bedürfnis erkannt habe. Was ich aber jetzt schon erlebe ist, dass es mir wesentlich mehr Freude macht, einfach eines meiner Bedürfnisse zu erfüllen als „nur“ die oben genannten Zusammenhänge zu erkennen.

Ich beschenke mich selbst – und das fühlt sich einfach großartig an!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden.

Schließen