Berlin. Berlin. Ich bin in Berlin.

16. Januar 2020 Allgemein

Es ist eigenartig, hier zu sein. Auf mich gestellt. Mehr oder weniger. Bei den letzten beiden Besuchen  hatte ich einen Rollstuhl dabei, auch benutzt und immer eine Begleitperson an meiner Seite. Keinen einzigen Gedanken habe ich diesmal vor der Reise an diesen Rollstuhl verschwendet. Auch nicht an meine Einschränkungen. Nicht an notwendige Wege, die ich laufen werde. Nicht an die fehlende Begleitung, die mir sonst im Notfall helfen sollte bzw. bestimmte Aktivitäten überhaupt möglich machte. Ich habe vorab nur an die Temperatur gedacht, denn Kälte kostet mich jegliche Kraft. Entsprechend viel warme Kleidung trage ich. Ziemlich schweißtreibend innerhalb von Gebäuden.

Auf dem Rückweg vom Krankenhaus  – eine Stunde quer mit dem Bus durch Berlin – musste ich Berlin Zoologischer Garten umsteigen. Nächste Haltestelle war Europa Center, also ein Fußweg von ca. 600 Metern bzw. 10 Minuten. Undenkbar früher, schon allein wegen der zusätzlichen Belastung mit meinem Gepäck. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits 30 Minuten Ergometertraining hinter mir, 2,5 Stunden Zug- und Busfahrt nach Berlin sowie einen berührende und aufwühlenden Krankenhausbesuch. Ein Pensum, bei dem ich staune, wenn ich ihn mir jetzt bewusst vor Augen führe.

Ich spürte so eine große Freiheit in mir, als ich den Bus wechselte. Ich alleine in Berlin. Denn ich  erlebte mich selbst kompetent: mit den Anforderungen beim Busfahren, den vielen Menschen, den unglaublich vielen Autos und dem Lärm. Es war schon fast dunkel, was die Orientierung nicht wirklich leichter machte. Aber ich fühlte mich geborgen. Niemanden empfand ich als bedrohlich. Irgendwie machte einfach jeder so sein Ding. Ich war fokussiert auf mich selbst. Und glücklich.

Ob es der Mut war, der mir dieses Glücksgefühl bescherte? Mut, mich dieser Herausforderung zu stellen. Mich den gesamten Tag in den Flow zu begeben. Geschehen lassen, was geschehen will. Und das alles im Vertrauen darauf, dass ich die Kondition dafür habe. Dass mein Körper mich NICHT im Stich lässt. Aufmerksam nach außen und innen. Achtsam für meine Bedürfnisse. Zurückhaltend im Gespräch mit anderen Menschen, was meine eigene Geschichte angeht und dennoch offen für ihre Geschichten. Weil in mir momentan kein Mangel herrscht.

Und jetzt sitze ich alleine im Café und schreibe diese Zeilen. Weil es mir wichtig ist. Weil ICH MIR wichtig bin.

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