CN Sexuelle Gewalt – Teil 3 – An J.D.

9. Februar 2020 Allgemein

Mit welcher Anrede fange ich diesen Brief wohl an?


Lieber J.D. – auf gar keinen Fall!
Sehr geehrter J.D. – nein.
Guten Tag J.D. – Ihnen etwas Gutes wünschen, das übersteigt mein Vorstellungsvermögen.
An J.D. – das geht noch am besten, obwohl es so unpersönlich klingt.

***

An J.D.
Sie haben viel in mir zerstört. 26 Jahre später verbringe ich Therapie- um Therapiesitzung mit der Aufarbeitung der Erfahrung, die ich mit Ihnen gemacht habe. Es ist schon die dritte Therapie, die ich ausgelöst durch Ihr Verhalten mache. So viel Schmerz. Ob Sie sich überhaupt noch an mich erinnern? Oder bin ich einfach nur einer der jungen Frauen für Sie gewesen, denen Sie irgendwann mal „geholfen“ haben?

In meinen Visualisationen spreche ich mit Ihnen. Sie antworten sogar. Ich wundere mich über Ihr Unverständnis meinen Gefühlen gegenüber. Sie scheinen kein Gespür dafür zu haben, dass Sie mich mit Ihrem Verhalten massiv verletzen. So als wäre es Ihnen kulturell nicht vermittelt worden, dass sexuelle Übergriffigkeit eine Straftat darstellt. Stattdessen stellen Sie sich als liebebedürftig dar. Mich ekelt diese Form der Bedürftigkeit an.

Warum musste ICH damals Ihr Bedürfnis befriedigen? Warum wurde ich benutzt? Von Ihnen? In einer Situation, in der ich mich an Sie mit der Bitte um Hilfe wand? Wie konnten Sie über einen anderen Menschen – mich und mehrere andere Frauen – so selbstverständlich verfügen?

Das Gefühlschaos, das Sie in mir angerichtet haben, hatte weitreichende Folgen. Ich wollte mich gerne wehren gegen Sie und konnte es nicht. Weil ich erstarrt war, weil der hypnotischen Zustand für mich nicht aufzulösen war. Eine Stimme sagte leise: Aber er will dir doch helfen. Eine andere sagte laut: Das fühlt sich aber ganz und gar nicht nach Hilfe an, sondern bedrohlich. Ich konnte der lauten Stimme damals keinen Ausdruck verleihen. Ich habe stattdessen an meiner eigenen Wahrnehmung gezweifelt. Dabei ist sie richtig! Immer!

Ich bin wütend auf Sie. Ich bin erschüttert und fassungslos, wenn ich mich erinnere. Ich bin traurig über den vielen Schmerz, den ich durch Ihr Verhalten in den 26 Jahren danach erlebt habe. Erst durch meine Traumatherapie habe ich mir folgende Wahrnehmung erarbeitet: Sie sind irrelevant. Ihre Bedürftigkeit ist irrelevant. Denn ich stehe für Ihre Bedürfnisbefriedigung nicht mehr zur Verfügung. Eher irritierend in dem ganzen inneren Chaos finde ich dieses gewisse kleine Gefühl der Dankbarkeit. Denn ich habe Unterstützung erlebt, direkt in der Woche nach Ihrem sexuellen Übergriff. Das war toll und ist tatsächlich eine schöne Erinnerung. In der Traumatherapie habe ich auch erkannt, dass Ihr Verhalten und mein Unvermögen, mich selbst zu schützen, ein wichtiger Hinweis für mich war und ist. Vielleicht brauchte es so eine deutliche Situation für mich, dass ich ihn schlussendlich verstehe?

Ich hätte liebend gerne auf diesen Hinweis verzichten. Nicht, dass Sie mich falsch verstehen und meinen, ich wäre wirklich dankbar, dass Sie sich an mir vergriffen haben. Nein, ganz und gar nicht. Ich halte nur meine mittlerweile erworbene Fähigkeit, ALLE meine Gefühle zu einer bestimmten Erfahrung zuzulassen, für eine große Stärke.
Die sexuelle Gewalterfahrung durch Sie fiel auf einen bereiteten Boden durch meine Kindheit. Nein, ich erinnere mich (derzeit) nicht an eine weitere sexuelle Gewalterfahrung, aber ich hatte immer Angst, meine wahren Gefühle zu zeigen. Ich habe meine Gefühle durch Ihre sexuelle Gewalttätigkeit endgültig abgeschalten. Viele viele Jahre lang. Genau deshalb fehlen mir für diese vielen vielen Jahre auch die meisten Erinnerungen.

J.D., Sie sind ein Arschloch. Raus! RAUS! Hauen Sie endlich ab! Ficken Sie sich doch selbst.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du dich damit einverstanden.

Schließen